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'Fantasy'

Erdachte Welten des Unmöglichen

Das Brechen von Naturgesetzen durch Zauberei, das Auftreten nie gekannter Fabelwesen, Landschaften, die nicht auf der Erde existieren, all das ist denkbar, aber es ist zu keiner Zeit Bestandteil unserer Wirklichkeit. Werke, die sich im Kern mit solchen und ähnlichen fiktiven Themen befassen, werden zur Gattung 'Fantasy' gezählt.



Definition: 'Fantasy'
Alle Werke, die von Ideen und Dingen handeln, die NIEMALS möglich sind, weil sie sich mit den Grundlagen und Regeln unserer Wirklichkeit beißen (fiktiv), zählt man zur Gattung 'Fantasy'. Sie ist neben „Science Fiction“ und „Alternativwelt“ eine der drei Gattungen der 'Fantastik'. Fantasy-Geschichten spielen stets in einer geschlossenen Parallelwelt. Gattungs-Varianten sind 'High-Fantasy', 'Low-Fantasy', 'Kunstmärchen' und 'Social Fantasy'.




Gattungs-Varianten der 'Fantasy':

Die Gattung 'Fantasy” unterteilt sich traditionell in fünf große Zweige, je nachdem, worauf der Betrachtungsschwerpunkt der zugeordneten Werke liegt:

'High Fantasy':

Hier werden Werke versammelt, die komplett in einer fiktionalen Fantasy-Welt spielen, die äußerst komplex gestaltet ist. Geografie, Völker, Flora, Fauna, Religion, Sprache und/oder eigene Historie dieser Welt sind sorgfältig entwickelt und in epischer Handlungsbreite ('Epische Fantasy') eingewoben. Figuren sind psychologisch vielschichtig entworfen und Konflikte finden oft über Generationen hinweg statt. Oft geht es um Wahrheit, Ethik, Weisheit und die Rettung der Welt. Der Roman 'Der Herr der Ringe' von J. R. R. Tolkien nimmt eine Schlüsselstellung innerhalb der High Fantasy ein, da er das prägende Werk darstellt.

'Low Fantasy':

Werke dieser Gattungs-Variante erzählen und zeigen abenteuerliche, einfach gehaltene Handlungen vor dem Hintergrund einer Fantasy-Welt, wobei diese Welt meist nicht besonders komplex ausgestaltet wird. Im Zentrum stehen im Pulp-Stil überhöhte Figuren wie starke, einsame Helden ('Heroische Fantasy'), schöne Frauen und böse Gegner, die wenige Zwischentöne aufzeigen. Schlachten und Magie ('Sword and Sorcery') werden mit klaren Symbolen inszeniert. Ethik ist kein Thema. Nicht Weltenrettung steht im Vordergrund, sondern das persönliche Schicksal der Figuren. Sex und Gewalt werden mitunter auch zynisch in einer chaotischen Welt inszeniert, die keine Kodexe hat. Die Wurzeln der 'Low Fantasy' liegen in der amerikanischen Heftroman- bzw. Pulp-Magazin-Szene der 1930er, 1940er und 1950er Jahre.

'Märchen':

Diese Gattungs-Variante fasst Werke zusammen, die in ihrer Darstellungsform traditionelle Märchen zum Vorbild haben. Es treten archetypische Figuren auf, die in vereinfachten und tradierten Handlungen meistens Lebenslehren mit auf den Weg geben. Sie formen Allegorien aus, spielen mit volkstümlichen Symbolen und lassen auch gern Tiere als Hauptfiguren auftreten. Oft weisen die Werke Poesie auf. Modernere Kunstmärchen befassen sich mit aktuellen Problemen der Wirklichkeit, die verfremdet dargestellt neue Perspektiven zulassen, aber fiktiv aufbereitet werden.

'Social Fantasy':

Hier werden Werke zusammengefasst, die alternative Gesellschaftsformen beschreiben. Wie sieht z.B. eine Gesellschaft aus, in der alle Bürger Gedanken lesen können? Welche Auswirkungen hätte dieses auf den Alltag, die Gesetze, auf Arten von Verbrechen, auf Partnerschaften usw. Es wird durchgespielt, was Abweichungen zu unseren realen, sozialen Rahmenbedingungen für neuartige und erstaunliche Effekte hervorbringen würden.




Typische Themen der 'Fantasy':

Innerhalb der Gattungs-Varianten findet man bestimmte Themen, die zwar auch in anderen Gattungen vorkommen können, aber innerhalb der 'Fantasy' besonders häufig anzutreffen sind. Hier werden sie gattungstypisch ausgeprägt und ausgestaltet. Diese Themen sind z.B.

Die Queste
Erlernen spezieller Fertigkeiten
Bedeutsame Gegenstände
Kampf mit gefährlichen Kreaturen
Schlachten
Schicksal
Reise ins Unbekannte
Erstaunliche Wesen
Reise zu erstaunlichen Völkern
Zähmen von wilden Wesen
Unsterblichkeit
(hier: z.B. 'Suche nach dem Gral')
(hier: z.B. 'Lernen von Zaubersprüchen')
(hier: z.B. 'Das magische Schwert')
(hier: z.B. 'Duell mit dem Drachen')
(hier: z.B. 'Zwerge gegen Riesen')
(hier: z.B. 'Brechen eines Fluchs')
(hier: z.B. 'Vorstoß in die Unterwelt')
(hier: z.B. 'Götter und Dämonen')
(hier: z.B. 'Im Reich der Zentauren')
(hier: z.B. 'Pegasus zureiten')
(hier: z.B. 'Ewige Liebe')




Weitere Betrachtungen

Für die Fantasy lassen sich auch noch weitere Aspekte diskutieren:
Wie scharf ist die Grenze zwischen Fantasy und Science Fiction? Existiert ein Graubereich?
Sind einige Fantasy Geschichten von heute Science Fiction von morgen?
Fantasy, Grenzwissenschaften und Religion: Tabu-Themen kontrovers diskutiert.
Warum unterscheiden sich die Innen- und Außensicht von Werken?
Gattungs-Varianten werden oft fälschlich verwendet. Wie kommt Ordnung ins Begriffschaos?
Mischformen der 'Fantasy' mit anderen Gattungen
Was sind geschlossene und offene Fantasy-Welten?

Diese und andere Themen werden in der Rubrik: Fantastik Forschung detaillierter untersucht.
Es wird interessanter, aber auch vielschichtiger, je weiter man bei der Materie vordringt.

Text von Bernd Timm und Thomas Kohlschmidt
Copyright by Fantastik-online, September 2010
Bilder von Sylvia Polster und Freawyn.